Nahe Farsleben bei Magdeburg geschieht in den letzten Tagen des Krieges ein Wunder: Am 12.April 1945 kommt hier ein Todeszug zum Stehen, darin eingepfercht 2500 jüdische Häftlinge, vor allem Frauen und Kinder aus Bergen-Belsen.
Als sich Alliierte Bergen-Belsen nähern, schickt die SS drei Häftlingszüge nach Theresienstadt los. Nur einer von ihnen trifft ein,die zwei anderen fahren umher. Einer wird nach zwei Wochen durch die Sowjet-Armee befreit und später "verlorener Zug" genannt.
Der andere Zug, der bei Farsleben hält, wird später "gestrandeter Zug" genannt. Die Häftlinge aus Ungarn, den Niederlanden, Polen und Griechenland sollten als Geiseln ausgetauscht werden. Als die heranrückenden Alliierten den Weg versperren, verschwinden die SS-Leute.
Am 13.April erreichen Amerikaner den Zug und fotografieren die Befreiung. Die Soldaten versorgen die Überlebenden, doch viele sterben in den nächsten Tagen an Typhus oder aufgrund der Strapazen. Im September zerstreuen sich die Überlebenden in alle Winde.
Die Episode geriet in der Öffentlichkeit in Vergessenheit bis Susanne Oehme vom Museum Wolmirstedt im Washingtoner Nationalarchiv 2023 einen vierminütigen Film entdeckte - eine Sensation.
Daniel und Klaus-Peter Keweloh holten die Historie nach der Wende ans Licht, halten Kontakt zu Überlebenden, führen Nachkommen an die damaligen Orte. Zu Wort kommen Robert Hirschmann, der einen Kurzfilm über den Zug drehte, und Johanna Mücke. Schon als Schülerin hat sie sich mit dem Ereignis beschäftigt, hat Briefe und Interviews übersetzt.