Das Erste: Mo 07.04.25

23:05 - 23:50 Uhr
ARD History: Zug ins Leben - Die Befreiung der SS-Geiseln 16:9/AD/UT

Nahe Farsleben bei Magdeburg geschieht in den letzten Tagen des Krieges ein Wunder: Am 12.April 1945 kommt hier ein Todeszug zum Stehen, darin eingepfercht 2500 jüdische Häftlinge, vor allem Frauen und Kinder aus Bergen-Belsen.

Als sich Alliierte Bergen-Belsen nä­hern, schickt die SS drei Häftlingszüge nach Theresienstadt los. Nur einer von ihnen trifft ein,die zwei anderen fah­ren umher. Einer wird nach zwei Wochen durch die Sowjet-Armee befreit und spä­ter "verlorener Zug" genannt.


Der andere Zug, der bei Farsleben hält, wird später "gestrandeter Zug" genannt. Die Häftlinge aus Ungarn, den Nieder­landen, Polen und Griechenland sollten als Geiseln ausgetauscht werden. Als die heranrückenden Alliierten den Weg versperren, verschwinden die SS-Leute.

Am 13.April erreichen Amerikaner den Zug und fotografieren die Befreiung. Die Soldaten versorgen die Überleben­den, doch viele sterben in den nächsten Tagen an Typhus oder aufgrund der Stra­pazen. Im September zerstreuen sich die Überlebenden in alle Winde.


Die Episode geriet in der Öffentlich­keit in Vergessenheit bis Susanne Oehme vom Museum Wolmirstedt im Washingtoner Nationalarchiv 2023 einen vierminütigen Film entdeckte - eine Sensation.

Daniel und Klaus-Peter Keweloh holten die Historie nach der Wende ans Licht, halten Kontakt zu Überlebenden, führen Nachkommen an die damaligen Orte. Zu Wort kommen Robert Hirschmann, der ei­nen Kurzfilm über den Zug drehte, und Johanna Mücke. Schon als Schülerin hat sie sich mit dem Ereignis beschäftigt, hat Briefe und Interviews übersetzt.